HTML5: Aufbruch ins Cloud Computing
Web2 und Ajax haben 2004/2005 einem Internet, das anfing zu stagnieren, den großen Kick verschafft: Neue Anwendungen, intuitive Benutzerführung und Beteiligung, Mitmachen, Dabeisein. Jeder kann seinen Beitrag liefern und sich online orientieren und organisieren.
Web 2 war ein Urknall mit Benutzer-generiertem Inhalt und der Entwicklung des Webs für Jedermann. Blogs, Wikis und Seiten wie Flickr und YouTube verwischen die Grenzen zwischen Konsumenten und Seitenbetreibern. Web 2 boomte nicht durch neue Techniken und Standards, sondern hat nur ausgelotet, was sich mit der aktuellen Technik realisieren lies, als die alten Browserschätzen endlich den Gnadentod starben.
Web 3 beginnt mit neuen Open Source-Technologien. Während Web 2 „einfach entstand“, stehen jetzt kommerzielle Interessen hinter Web 3 – Google, Adobe, Apple und der Kommerz des Cloud Computings drängeln, damit Anwendungen eine bessere technische Basis bekommen.
Immer mehr Anwendungen, die traditionell auf dem Rechner des Benutzers ausgeführt werden, verlagern sich ins Internet. Wir ziehen in die Cloud. Wir sind schon drin.
Von der Webseite zur Web-Anwendung
Aus dem guten alten HTML-Formular für die Anmeldung zum VHS-Kurs werden Anwendungen und diese Anwendungen werden immer komplexer. Javascript, das über Jahre hinweg verdammt und verteufelt wurde, mutiert zum Hans-Dampf-in-allen-Gassen.

Ein Anwendungsdesign soll Inhalte, Präsentation und Verhalten trennen – Web-Anwendungen machen das per se: HTML für den Inhalt, CSS für die Präsentation und Javascript für das Verhalten.
Moderne Javascript-Librarys wie jQuery bringen Effekte und visuelle Komponenten, die Webanwendungen tatsächlich benutzerfreundlicher machen und schaffen selbst neue Verhaltensmuster, die den „Benutzer mitnehmen“. Javascript kann heute die Flexibilität und Optik von Adobe Flash bieten und sogar in Punkto Programmierstübchen-Effizienz mithalten.
Aber die Komplexität geht weit über die hübsche Pyramide Inhalt – Präsentation – Verhalten hinaus, die in Wirklichkeit verdammt kopflastig ist: Javascript muss die Inkompatibilität von Browsern ausgleichen und die fehlenden Fortschritte in der Standardisierung von HTML überspielen.
HTML5: Antrieb für ein neues Gesicht des Webs
Formulare sind der Motor von Web2 – Formulare und die Anwendungen hinter dem Formular ermöglichen dynamische Webanwendungen.
Die Komponenten für Formulare stammen samt und sonders noch aus der HTML2-Spezifikation von Nov. 1994 und selbst der XMLHttpRequest wurde schon mit Internet Explorer 5 ins Web gesetzt. Web2 entstand in einem Web des absoluten Stillstands der Standards und der Technik – das langsame Sterben der alten Browser öffnete die Schleusen.
Während Web 2 also auf ollen Kamellen beruht, wird die nächste Runde des Fortschritts mit neuer Technik eingeläutet: HTML5 ist mehr als ein paar neue HTML-Tags.
Vor allem eine bessere Unterstützung von Medien wie Video und Audio, bessere Formulartechniken, ein moderneres Javascript, mehr Interaktion für den Benutzer, natürlich Speed!!! steht auf den Fahnen von HTML5– alles, um Anwendungen im Web immer näher an Desktop-Anwendungen zu bringen.
Nach außen bringt HTML5 ein paar neue Tags, vom Web in erster Linie dank des video-Tags herzlich willkommen geheißen. Die echten Genießer freuen sich aufs Malen mit dem canvas-Element. Dahinter sollen neuen Elemente die Inhalte straffen und den strukturellen Aufbau des Dokuments verstärken – ein Königreich für eine bessere Durchsuchbarkeit. Struktur und Semantik sind Trumpf.
Aber wenn man alle neuen Technologien betrachtet, die unter »HTML5« laufen, kommt noch ein anderes Ziel zum Vorschein: Mit dem HTML Manifest, WebSockets, WebWorkers und WebStorage bauen wir Online-Anwendungen, die traditionelle lokale Anwendungen erweitern oder ersetzen.



